Don’t be afraid of mistakes.
Wann habe ich die letzten Male improvisiert?
1) Natürlich beim Improvisationsseminar.
2) Mit einer Einsingübung in der Chorprobe.
3) Als ich etwas Tolles kochen wollte und der Zitronensaft ausgegangen war.
3) Beim Üben, mit meiner Ausgabe von Darmon Meader – „Vocal Jazz Improvisation“.
4) Als mein Aufnahmegerät, wieder in der Chorprobe, versagt hat und ich den Fehler nicht sofort finden konnte. Unter wilden Flüchen. Auch die Flüche waren improvisiert.
5) Als sich die linke Handbremse meines Fahrrads heute spontan entschloss, kaputtzugehen. Keine Zeit für Flüche – blankes Überleben in Essen-Rüttenscheid.
Improvisieren ist so viel mehr als „nur“ Musik, genauso wie Musikmachen mehr ist, als „nur“ ein Instrument zu spielen oder zu singen. Mir kommt diese zauberhafte Sache wie ein wilder Tanz durch das Leben vor, bei dem der Staub aufgewirbelt wird, manchmal zusammen mit etwas Glitzer-Konfetti.
Das Improvisationsseminar nahm übrigens -improvisationsbedingt- eine unvorhergesehene Wendung. Die Einsingübung geriet ganz interessant (alle haben passende und unpassende Töne getestet). Ich tat ersatzweise Sumachpulver ins Essen. Und auch beim anstehenden Konzert der Urban Voices am 10.10. wissen wir sicher nicht, was alles passieren wird! Das Schöne daran ist, dass, wenn man mit dem Improvisieren und der spontanen, manchmal etwas miesen Natur des Lebens vertraut ist, aus dem größten Schlamassel etwas Gutes herausziehen kann. Und dabei lacht! Wie Miles Davis schon sagte: „Don’t be afraid of mistakes. There are none.“
Insofern freue ich mich einfach, wieder mit diesem wunderbaren Chor in der Notkirche Musik machen zu dürfen und hoffe auf ein Publikum, das (so wie wir) offen für Überraschungen ist.
1. Oktober 2026